Veranstaltung am 7. Juli, 19 Uhr, Humboldt-Uni Berlin
Am Dienstag, 7. Juli 2009 findet eine Veranstaltung zum mg-Prozess statt. Ab 19 Uhr berichtet das Einstellungsbündnis und ein Rechtsanwalt über Neues und Altes aus dem mg-Verfahren, Ermittlungsmethoden und Solidarität an der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, Hauptgebäude/Westflügel, Raum 3094.
Aus dem Ankündigungstext:
Veranstaltung zum §129-Prozess gegen Axel, Florian und Oliver wegen vermeintlicher Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg).
Ermittlungsmethoden
Ein Spitzel des Verfassungsschutzes in der linken Szene und Kommissare des Bundeskriminalamts, die sich als „Die zwei aus der Muppetshow” an einer schriftlich geführten Diskussion um militante Politik beteiligen, veranschaulichen einzelne Ermittlungsmethoden der ausführenden Staatsgewalt. In dem Prozess gegen Florian, Oliver und Axel vor dem Berliner Kammergericht kamen diese und weitere Praktiken ans Tageslicht. Dass auch rechtsstaatliche Grundsätze missachtet wurden, ist nichts Neues in politischen Strafverfahren.
Auf der Veranstaltung wird das Vorgehen der Ermittlungs- und Anklagebehörden vom Einstellungsbündnis und der Verteidigung der Angeklagten vorgestellt und bewertet.
Solidarität
„Uns fehlt nicht die Hoffnung, uns fehlt nicht der Mut. Uns fehlt nicht die Kraft, uns fehlt nicht die Wut”, singen Ton Steine Scherben in einen kämpferischen Lied. Gleichwohl verweisen sie auf fehlende Solidarität. Nach wie vor artikuliert sich Solidarität mit linken Strukturen, die - wie die Zeitschrift radikal oder die militante gruppe - angegriffen werden, nur zaghaft. Offensichtlich fällt es schwer, sich dazu politisch zu verhalten.
Das Berliner Einstellungsbündnis organisiert seit der Verhaftung von Oliver, Florian, Axel und Andrej politische Unterstützung für die Beschuldigten in den mg-Verfahren. Das Bündnis bewegt sich dabei auf einem Terrain, das ihm von unterschiedlichen Seiten die Kritiken einbringt, einerseits zu wenig rechtstaatlich, andererseits zu wenig revolutionär zu sein.
Die vielfältigen Schwierigkeiten, auf die das Einstellungsbündnis in seiner bislang zweijährigen Existenz stieß, werden auf der Veranstaltung zur Diskussion gestellt.
Gezeigt wird der Kurzfilm "Gefährder" von Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei") aus dem Episodenfilm "Deutschland 09".
Veranstalter: Bündnis für die Einstellung der §129-Verfahren, arbeitskreis kritischer juristinnen und juristen an der HU, Ermittlungsausschuss Berlin, ARAB.
Ergänzende Hintergrundinformationen zur Veranstaltung
Nachfolgend einige Materialien, die über Arbeitsweisen staatlicher Behörden Aufschluss geben.
Zu Überwachung und Observation
Buchtipp gegen Überwachung: Kontrollverluste. Interventionen gegen Überwachung. Herausgegeben von Leipziger Kamera. Initiative gegen Überwachung. Erschienen im Unrast-Verlag, ISBN: 978-3-89771-491-5
108-seitige Broschüre "Polizeibericht Berlin 2009. Ausrüstung, Strukturen, Einsatztaktik, Hintergründe, Analysen, Kritik" herausgegeben von Autonomen Gruppen. Über den linken Buchhandel in Berlin beziehbar. Infos auf Indymedia.
Hintergrundtext zu Observationen in den 1990ern. Ehemalige Mitarbeiter der Zeitschrift radikal berichten über Observationen und eigene Gegenobservationen.
Der BKA-Bericht AGNES ("Auswirkungen gesetzlicher Neuregelungen auf die Ermittlungspraxis der Strafverfolgungsbehoerden") über Erfahrungen des BKA aus Wohnraumüberwachungen und Online-Durchsuchungen ist Thema eines Artikels auf heise. Der vollständige BKA-Bericht ist auf WikiLeaks zu als pdf-Datei zu finden.
Handbücher zu Observation und EDV-Beweissicherung finden sich hier zum Download (gezippte Datei auf rapidshare, 50 MB). Es handelt sich um folgende beiden nicht mehr lieferbaren Bücher im pdf-Format: (1) Glitza, Klaus-Henning: Observation - Praxisleitfaden für private und behördliche Ermittlungen, Boorberg Verlag 2002 (16 MB). (2) Bär, Wolfgang: Handbuch zur EDV-Beweissicherung im Strafverfahren, Boorberg Verlag 2007.
Weitere Informationen zum Thema Antirepression gibt es bei gipfelsoli.org.
Zu Konstrukten und zur Logik der Behörden
Die Entstehung der mg-Verfahren und die Konstrukte der Ermittlungsbehörden behandelt ein Artikel bei Gipfelsoli.
